#Kolumne, die Erste

Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

Nachts. Halb drei. Draußen ist es stürmisch, der Wind peitscht gegen die Fenster, unruhig und unkontrolliert. Doch er kommt nicht an mich ran, prallt ab, tobt, versucht es erneut. Immer wieder. Mal drohender, mal ruhiger. Sanftes Pfeifen und Dröhnen in meinen Ohren. Wie meine Gedanken. Gedanken, die tief in mir schlummern. Gedanken, die versuchen zu mir durch zu dringen. Sie tanzen in meinem Kopf, wie der Wind durch die Nacht. Ich höre sie kaum. Verstehe sie nicht. Alles was ich weiß ist, sie sind da. Alles was ich will, ist sie erkennen. Alles was ich kann, ist sie zuzulassen.

Kann ich das wirklich? Kann ich mir selbst zuhören, mich selbst verstehen? Konnte ich das mal? Ich weiß es nicht. Sitze einfach nur da, im Schein des Mondlichts, das im sanften Kontrast der Dunkelheit aufleuchtet. Stille durchflutet meine eigenen vier Wände. Eine Stille, die mir fremd war. „Wann habe ich sie zuletzt wahrgenommen, sie genossen, ihr zugehört?“, frage ich mich.

Es hat aufgehört zu regnen. Langsam lehne ich mich gegen die Wand, lasse meinen müden Körper in einen Berg voller Kissen sinken. Schließe meine unendlich wachen Augen und spüre für einen Moment nichts außer mich selbst. Spüre meine innere Unruhe, während mein Herzschlag wie wild pulsiert. Gleichmäßig kämpft er sich durch jede Zelle meines Körpers, nur gedämpft nehme ich ihn wahr.. „Irgendwie unheimlich. Aber irgendwie auch beruhigend.“ Wie benommen, greife ich nach meinem Handy. Durch die Bewegung meiner zittrigen Hand blinkt mein Sperr-Hintergrundbild auf.

At the end of the day, 
your hair should be messy,
your feet dirty,
and your eyes filled with life.

Steht da. Das grelle Licht blendet mich, schießt mir wie ein Pfeil in die Augen. Ein Spruch. Als Reminder für mich selbst. Eine Vorstellung vom Leben. „Tja, wie schön es wäre, wenn ich behaupten könnte, dass mein Leben so aussehen würde“, dachte ich vor mich hin. Viertel nach drei. Wolken legen sich wie ein Schleier um den Vollmond, lassen sein Licht nicht mehr zu mir durch. Finsternis.

Irgendwann, wird es so sein.
Irgendwann, werde ich dieses Leben haben.
Irgendwann, werde ich wunschlos glücklich sein,
ohne wenn und aber durch die Welt gehen.
Irgendwann, werde ich frei sein.
Wie sich Freiheit wohl anfühlt?
Ob meine Augen irgendwann wieder beginnen zu funkeln?
Wie finde ich einen Anfang? Was muss ich dafür tun?
Vielleicht passiert es ja einfach so, fliegt mir zu.
Vielleicht begegne ich meinem Glück schon viel früher,
als gedacht.
Vielleicht wird alles vielleichter.

Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf. Lasse meine Fassade bröckeln, meine Maske verblassen.  Meine Kehle schnürt sich zu, während ich realisiere, dass ich die ganze Zeit nur so tat, als sei ich glücklich. Für Sekunden verliere ich meinen Verstand, im Chaos meiner Gedanken. Warme Tränen kullern über meine mittlerweile eiskalten Wangen, mein einst so klarer Blick verschwimmt mit dem Schatten der Wolken, dessen Umrisse sich auf dem Parkett niederlassen. Plötzlich klatscht es gegen meine Scheibe. Es war der wieder aufbrausende Sturm, der die Stille durchbrach. Tobender Wind, der dicke Regentropfen gegen die Fenster schlug. Eindringliches Pfeifen, unkontrolliertes Peitschen.

Und in dem Moment frage ich mich selbst, was ich eigentlich will.
Was wäre deine Antwort?

 

 

(Mehr hier. )

 

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s