Wie ich 12kg abgenommen habe

Teil 1/3: Wie es sich anfühlt, sich nicht schön zu fühlen

Sommer 2016. Kurz bevor ich das Haus verließ, tauschte ich meine geliebte Leggins gegen meine Jeans ein. Ich zog am Bund, streckte meine Beine, wackelte mit der Hüfte und hüpfte durchs Zimmer. Zack – die Hose war gerissen. Es war nicht die Erste diesen Sommer. Sondern ACHTUNG – die dritte Jeans, die ich zum Platzen brachte. Hosen, in die ich die Jahre über immer hineingepasst habe. Mal mehr, mal weniger. Aber zum Platzen habe ich bisher noch keine bekommen.

Das war der Punkt, an dem ich mir selbst sagte, dass es so nicht weiterging. Ich rede hier von einem Gewicht, dass sich gerade noch so im Normalbereich befand. Vielleicht übertrieb ich, vielleicht würden andere nichtmal daran herum meckern. Aber es ging nicht um andere, sondern um mich. Um mein eigenes Wohlbefinden und meine Lebenslust.

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„Auf Bildern sieht man immer dicker aus“ – Lieblingsausrede. Sommer 2016

Ehrlich gesagt, habe ich mich schon das ganze Jahr schrecklich und unwohl in meinem Körper gefühlt. Kein Wunder. Ich saß 3-4 Stunden täglich im Auto, mindestens 8 Stunden im Büro und abends ging es strack ins Bett, weil es für mehr einfach nicht mehr reichte. Am Wochenende gab’s Homeoffice im Garten oder lange Arbeitstage in Frankfurt.

Jeder Blick in den Spiegel löste ein Hassgefühl in mir aus. Jedes geschossene Bild einen Schrecken. Ich redete mir ein, dass man auf Bildern immer breiter aussah, als in Wirklichkeit. Vor dem Spiegel positionierte ich mich so, dass ich schlank aussah. Zog das sackige Oberteil noch etwas zurecht und versteckte mich unter meiner weiten Kleidung. War doch im Trend: Leggins, Snkeaker und weites Shirt – top.

Kaum einer merkte es, meine Kilos waren äußerst nett zu mir und verteilten sich gleichmäßig auf meinen 1,68m. Kaschieren war für mich keine Kunst mehr. Im Bilder bearbeiten war ich längst Profi. Aber dieses belastende Gefühl, diese ständigen Gedanken und Konflikte um Essen und Kalorien, bekam ich nicht los. Sie kontrollierten meinen Alltag, sorgten für schlechte Laune.

Dazu kamen Wassereinlagerungen in meinen Beinen. Schwabbelige Stellen und Dellen verzierten meine etwas kräftigen Beine. Tadaaa. Ich hatte eine neue Ausrede gefunden: Ich konnte nichts dafür, es war meine genetische Veranlagung bzw. eine extreme Veränderung meines Körpers.

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Ab hier hieß es: Kurze Hosen – Ciao.

Was das Thema Ernährung und Figur betrifft, war ich schon immer sensibel gewesen. Schon damals gab mir das Gefühl von „Hunger“, den ich nicht stillte, einen Kick. Krank. Einfach nur krank. Dennoch denke ich, dass sich schon fast jede Frau in ihren Teenagerjahren mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Und es bei vielen, noch heute, eine bedeutende Rolle spielt. Manchen wird es egaler, manchen immer wichtiger. Und für manche wird es bewusst oder unterbewusst zum alltäglichen Mittelpunkt. Eine Kontrolle, von der wir nicht ablassen können. Ein Thema, das unser Leben in gewissen Punkten beeinträchtigt. Uns in gewisser Hinsicht ein Stück Lebensqualität nimmt. Jedenfalls war es bei mir so.

Also, wieder zurück zu mir. Ich kämpfte mich durch strikte Trainingspläne, Detoxtage, die ich nicht durchhielt und Low-Darb Tage, an denen ich alles und jeden grundlos scheiße fand. Tägliche Cardio-Enheiten von 21-22Uhr, nachdem ich aus Frankfurt gehetzt kam, regierten meine Welt. Keine Süßigkeiten oder Fastfood (was mich eigentlich noch nie reizte), wenig Kohlenhydrate, dafür viel Milchprodukte (Eiweiß!), Nüsse und geregelte, aufeinander abgestimmte Mahlzeiten. Alles drehte sich ums ESSEN. Alles drehte sich darum, was ich NICHT durfte oder machen sollte. Alles drehte sich um mein Äußeres Erscheinungsbild. Immer weniger achtete ich darauf, was diese Ansätze und Maßnahmen mit mir machten.

Einen verbissenen und alles ignorierenden Menschen. Eine Person, die es sich selbst nicht erlaubte glücklich zu sein, solange sie nicht das im Spiegel sah, was sie wollte. Jemand, der auf alle Experten hörte, nur nicht auf sich selbst. Eine Frau, die sich selbst hässlich fand und ihr Gewicht zur Hauptrolle ihres Lebens machte.

Ich schaffte genau -4kg. Mit einem Druck, der mir den Spaß am Sport nahm. Essen zu meinem Feind machte. Mich ausgelaugt und unausgeglichen fühlen ließ. Mich zu einem Lächeln zwang. Ich versuchte mir selbst klar zu machen, dass ich einen Anfang gefunden hatte – ich musste nur irgendwie durchhalten. Noch 6 kg, 10kg ingesamt waren mein Ziel.  Was für eine tolle Zeit, die noch auf mich zukam. Und dann? Wenn ich mein Ziel erreicht hatte, was war dann? Wie sollte ich mein Gewicht halten, was musste ich machen, damit ich nicht wieder zunahm? Musste ich für immer so weiter essen, mich auf dem Crosstrainer zwingen, weiterzumachen? Was war das für ein Leben?

Teil 2 folgt. P.S.: Den Sommer sind nicht viele Bilder von mir geschossen worden. Bin noch am durchstöbern & werde im 3.Teil ein „vorher-nachher“ zeigen.

Love, J.

mehr Inspiration übers Leben hier. #happymonday

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