Der Wendepunkt

Ich möchte heute einen Text mit euch teilen, der im Anschluss an eines meiner Coachings geschrieben wurde – und nein, dieses mal ist er nicht von mir. Sondern von einer unglaublich starken Frau, die seit dem 10. Januar – dem Tag unseres gemeinsamen Coachings – angefangen hat, ihren Weg zu gehen.  Sie bezeichnet diesen Tag als ihren persönlichen „Wendepunkt“.

Dieser Text ist weder selbstverständlich, noch habe ich meinen Coachee darum gebeten, ihn zu schreiben. Dieser Text kommt aus den Tiefen ihrer Seele und ist so transparent und ehrlich geschrieben, dass man nicht aufhören möchte, ihn zu lesen. Jedenfalls ging es mir so.

Nicht nur, wegen der Neugierde, die dahinter stecken mag. Sondern vor allem, wegen diesen reflektierenden Gedanken, die sie teilt und vielleicht auch dich weiterbringen könnten.

Und eines werde ich definitiv: Ich werde mir diese Worte immer wieder vor Augen führen, wenn ich Momente habe, in denen ich zögere oder unsicher werde.

Liebe Becky, ich danke dir von Herzen für diese ehrlichen Worte.

 


 

190110 Wendepunkt

Wie eindimensional ich manchmal denke, wird mir heute besonders klar, wenn ich den gestrigen Tag reflektiere. Nachdem ich mir eine dringend benötigte Auszeit von meinem Vollzeitpraktikum genommen hatte, stellte ich am Mittwochmorgen fest, dass ich genau in denselben Trott gekommen war, wie zuvor. Mein Leben hatte sich in den vergangenen Wochen verändert. Ich ahne, dass dies die notwendige und intuitive Vorarbeit für den gestrigen Tag war. Zum Jahresbeginn war ich so sehr bei mir selbst angekommen und motiviert, etwas zu ändern, dass ich das Gefühl hatte: Nichts und niemand wird mich aufhalten auf dieser Reise zu mir selbst und zu den Tätigkeiten, die mich erfüllen. Obwohl ich mental schon in den Startlöchern stand, musste dem anscheinend noch ein (ich nenne ihn mal) „Reinigungsprozess“ vorausgehen. Geflutet von alten Gefühlszuständen, von Erinnerungen und destruktiven Glaubenssätzen habe ich nicht schlafen können.

Am nächsten Morgen quälte ich mich aus dem Bett und bemitleidete mich selbst. Da stand ich also inmitten meiner Gefühle und Gedanken, in der Küche, um meine „Morgenroutine“ zu vollziehen, die daraus bestand, dass ich mir einen Kaffee zubereitete und …. Verdammt, die Kinder sind wach! … und direkt Inhalte konsumierte, von denen ich mir einredete, sie würden mich inspirieren. Ja, die Inspiration war gegeben, jedoch wogen die Vergleiche, denen ich mich unterzog, viel schwerer. Ich träumte vor mich hin und fragte mich, was an mir falsch sei. Ich fragte mich, was ich denn nur anders machen müsste, damit ich gesehen werde. Damit ich mit meinen Fähigkeiten wahrgenommen werde. Insgesamt glaubte ich nicht daran, dass ich es jemals so weit bringen könnte. Ich glaubte, dass andere viel besser seien, obwohl ich ahnte, dass viele sich einfach von anderen „inspirieren“ lassen und Dinge übernehmen. Dies zeigte sich vor allem daran, dass plötzlich in vielen Storys und Beiträgen derselbe Content auftauchte, nur anders verpackt. Ich begann mich zu ärgern. Das konnte ich auch. Das war aber nicht DAS, was ich wollte. Ich wollte mein eigenes Ding machen und damit etwas erreichen. 

Die Kinder waren in der KiTa. Ich eilte nach Hause, um mich noch ein wenig auszuruhen, raste dann sechzig Minuten durch den Großstadtverkehr, fluchte etliche Male, legte mehrfach den falschen Gang ein. Das Auto heulte laut auf. Genau wie mein Inneres, wenn ich mal wieder im falschen „Gang“ unterwegs war in meinem Leben. Ich nutzte die dreißig Minuten, die ich zu früh war, um einen Spaziergang zu machen. Dem Termin gab ich mich hin. Das war nicht üblich für mich. Aber ich tat es. Während ich mit lautstarker Musik und beflügeltem Gefühl davonrauschte, auf dem Weg zur KiTa, verfiel ich in einen endlosen Dialog mit mir selbst. Ich würde keinesfalls heute Abend dieses Coaching schaffen. Meine Energie war jetzt schon auf einem solch niedrigem Level, dass diese niemals bis zum Abend ausreichen würde. Immer wieder dachte ich darüber nach.

Jaimie erinnerte mich später daran, dass unsere Gedanken  unser Gefühlsleben und unser Handeln bestimmen, quasi „Meditation“ sind. Meditation war mir keine Unbekannte. Ganz im Gegenteil: Ich praktizierte sie regelmäßig bewusst, in dem ich positive Gedanken fokussierte oder mich einfach „leer“ machte und öffnete für diesen so heilsamen Reinigungsprozess. Irgendwann, irgendwo zwischen all meinen vielen Gedanken, gab es diesen Zusammenhang bereits zwischen unseren Gedanken und unserer Gefühlwelt, unserem Erleben und folglich unserem Handeln. Es war so naheliegend, dass ich daran vorbeigesehen hatte – eine Art Weitsichtigkeit. Blick in die Zukunft oder in die Vergangenheit, aber doch bitte nicht aufs Hier und Jetzt. Irgendwie muss sich die Zukunft doch kontrollieren lassen, damit sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Welch ein Widerspruch in sich, wenn man das Ganze nur oberflächlich betrachtet. Bedingt lässt sie sich nämlich „kontrollieren“ oder besser – sie lässt sich formen. Unsere Gedanken sind dabei der Rahmen, in dem sie sich bewegen. In einem großen Rahmen haben sie viel mehr Platz und viel mehr Möglichkeiten. Aber statt diesen Rahmen zu gestalten, beschäftigte ich mich mit dem, was schiefgehen könnte. 

Ich brachte die Kinder ins Bett und verfiel innerlich dem nächsten Stresslevel und dem Gedanken „Ich schaffe das nicht“. „Was soll das bringen?“. Da gewinne ich ein Coaching (worüber ich mich so sehr gefreut habe) und dann habe ich kurz vorher solche Gedanken. Irgendetwas musste mit mir nicht stimmen. Jetzt ahne ich, dass es die bloße Angst war, mich auf diesen Prozess des Erforschens einzulassen – loszulassen. Ich wagte es dennoch. Ich zweifelte. „Wie soll mir jemand Jüngeres bei der Findung meines Weges helfen? Und eigentlich kenne ich meinen Weg ja.“ Ich stellte mich selbst in Frage zu Beginn. Ich fühlte mich zu negativ, zu belastet. Ich konnte nicht zur Zielgruppe gehören. Meine Startbedingungen in der Kindheit waren doch ganz andere gewesen, als die der vielen Menschen da draußen. Ich war mir über meine Fähigkeiten im Klaren und trotzdem drückten mich Selbstzweifel nieder. Meine Angst umringte mich wie ein riesiger Graben, der unüberwindbar schien.  Ich sagte zu Beginn des Coachings, dass ich manches Mal glaube, dass ich mich hinter der Verantwortung für meine Kinder verstecke. Mich beschlich der Gedanke, zu durchschnittlich und überhaupt ungeeignet zu sein. „Andere können sich selbst verwirklichen und ich sitze hier und ziehe zwei Kinder groß.“ Ich liebe diese beiden zauberhaften Geschöpfe und sie sind ein wundervolles Projekt. Doch ich will einfach mehr. Ich möchte morgens aufstehen und das, was ich tue, gern tun. Jetzt weiß ich, dass das nichts ist, wofür ich einen anderen Job oder ein anderes Setting benötige. Ich kann hier und jetzt damit beginnen, das gern zu tun, was ich tue. Jaimie sprach die Morgenroutine an, um das Schreiben wieder mehr in meinen Alltag zu integrieren. Oft fehlte mir nämlich die Zeit, die Lust und die Energie, um mich am Abend dazu zu bewegen, obwohl ich weiß, wie gerne ich dies tue und wie sehr es mich erfüllt. Ich machte mir Druck, schreiben zu müssen. 

Es gab im Coaching dann plötzlich einen Wendepunkt:                         

Jaimie fragte mich, was mir schwerfalle – „Planen oder Loslassen?“ Ich lachte auf und sagte: „Planen kann ich verdammt gut!“ Das „Loslassen“ hat mich schon so lange begleitet. Obwohl die Erfahrung zeigte, dass Loslassen nur kurzfristig Energie beansprucht, während Festhalten sich konträr verhielt, entschied ich mich meist für ein kontrolliertes Festhalten.                                                                                 

Das war der Moment, der mir den Weg wies. Ich würde diese „Inseln“, die mir gut tun, in meinen Alltag einbauen und würde alles drum herum nicht mehr so akribisch planen und mich unter Druck setzen. Klang irgendwie machbar. Es ist machbar. Jeden Tag merke ich, wie es mir leichter fällt, mich hinzusetzen und zu schreiben. Manchmal werden es nur Stichpunkte. Und dann fließt es Seitenweise aus mir heraus. Ich habe mich in der Vergangenheit viel zu sehr mit meinen Problemen beschäftigt. Mit denen, die waren und denen, die sein könnten. Dazu kamen die ganzen Reize über den Tag verteilt. Sport war zwar ein gutes Ventil, jedoch schwer umzusetzen, wenn die Energieressourcen rar sind. Seit diesem Abend, seit diesem Wendepunkt, den ich nicht für möglich gehalten habe, lade ich meine Akkus tagtäglich mehr und mehr auf. Es gibt Tage, da schwimme ich im Chaos – aber ich schwimme!                     

Ich liebe, was ich tue. Ich habe einen Job, in dem ich täglich Menschen begegne, denen ich etwas geben kann. Menschen, die ich bewegen kann.  Ich lerne gerade, mir selbst wieder mehr zu vertrauen – auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich weiß, dass ich meine Vorstellungen erreichen werde. Die Grundsteine sind bereits gelegt. Und anstatt darüber nachzudenken, wie ich es mache, mache ich es einfach. Im schlimmsten Fall, mache ich Fehler, aus denen ich lernen kann. 

Jaimie, ich danke dir für all die Impulse! Ich danke dir, für dein wertschätzendes Wesen und deine Neugierde am Gegenüber. Ich finde das, was du machst, ganz wundervoll! 

 


 

Und gerade, als ich diesen Text hier, in meinen Blogpost eingefügt habe, habe ich mich aufs Neue zwischen ihren Zeilen verloren. Ich habe Tränen in den Augen – Tränen der Erfüllung, Tränen des Glücks. Ich liebe das, was ich mache. Und noch mehr daran liebe ich, dass ich Teil ihrer Reise sein darf. Eine Reise, der noch so viele Wunder bevorstehen – mehr, als sie je wahrhaben wollte.

Das ist es, was ich bewegen möchte. Das ist es, was mich erfüllt. Das ist es, wofür ich jeden Tag aufstehe und mehr als 100% gebe.

Und auch sie wird ihren Weg gehen – anfangen wird sie mit einem Blog, denn diese Frau kann schreiben was das Zeug hält. Eines ihrer Werke wurde bereits in einem Buch mit veröffentlicht. Ihr neues Projekt ist noch in Arbeit, aber ich möchte ihr mit der Veröffentlichung ihres Vorhabens nochmal die letzten zögernden Gedanken nehmen. Also Becky, gib alles! Ich bin mir sicher, dass ich nicht die Einzige sein werde, die deine Worte lesen und deine Gedanken hören will.

Ihr findet sie übrigens hier auf Instagram: https://www.instagram.com/mindset_challenge/ 

Geh auch du deinen Weg! Weil du kannst, wenn du wirklich willst.

J.

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s